Finnland bewegt sich seit Jahrzehnten auf einem politischen Drahtseilakt zwischen Moskau und dem Westen. Doch damit könnte es bald vorbei sein

Die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin hat erklärt, dass ihr Land in den nächsten Wochen über einen NATO-Beitritt entscheiden wird. Dies könnte auch das benachbarte Schweden dazu veranlassen, dies ebenfalls zu tun.

Finnland könnte demnächst seinen Beitritt zum NATO-Militärbündnis ankündigen – was eine dramatische außenpolitische Kehrtwende bedeuten und den russischen Präsidenten Wladimir Putin verärgern könnte.

Das nordische Land hat eine 808 Meilen lange Landgrenze mit Russland und bewegt sich seit vielen Jahrzehnten auf einem außenpolitischen Drahtseilakt zwischen Moskau und dem Westen. Während des Kalten Krieges verfolgte Finnland eine Neutralitätspolitik, d. h. es wollte eine Konfrontation mit Russland vermeiden. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wehrten die Finnen eine sowjetische Invasion erfolgreich ab, was als „Winterkrieg“ bekannt wurde.

Die langjährige Neutralität, die von vielen Finnen geschätzt wird, könnte jedoch durch den unprovozierten Einmarsch Russlands in die Ukraine beendet werden.

Jacob Kirkegaard, Senior Fellow beim German Marshall Fund of the United States, erklärte gegenüber CNBC, dass der Beitritt Finnlands zur NATO der Idee der „erzwungenen Neutralität zwischen Ost und West“ ein Ende setzen würde.

Dies zeigt, wie Russlands grausame Handlungen in der Ukraine frühere neutrale Länder dazu gezwungen haben, sich voll und ganz der NATO zu verpflichten, nach dem Motto: „Entweder ihr seid voll und ganz bei uns, oder wir werden euch nicht schützen“, sagte er.

Russland hat wiederholt erklärt, dass es gegen jede Erweiterung der NATO ist, was einer der Gründe war, die der Kreml für seinen Einmarsch in die Ukraine anführte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Zelenskyy hatte vor der Invasion seinen Wunsch nach einem Beitritt zum Bündnis geäußert, hat aber inzwischen eingeräumt, dass dies unwahrscheinlich ist.